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Aquarell für Anfänger

“Malen heißt nicht Formen färben, sondern Farben formen.” Henri Matisse

Mein erster Artikel hier auf der Seite von Mädchenkunst soll um das schöne Malen mit Aquarellfarbe gehen. Ganz zufällig auch meine Lieblingsmaltechnik … Verrückt!
Bevor ich direkt an die Materialien und die ersten Übungen gehe, gibt es einen kleinen Exkurs in die Geschichte.

Aquarell – Wie alles begann

In der Geschichte wird schon die Höhlenmalerei des Urmenschen als eine Art Aquarellmalerei betrachtet. Farbpigmente aus Holzkohle wurden Wasser und Fett beigemischt und somit zu einer Art Wasserfarbe / Aquarellfarbe.
Im Mittelalter war es üblich Aquarellzeichnungen als Skizzen für Ölgemälde, Bildteppiche oder Fresken anzufertigen. Für diese Entwicklung waren besonders Albrecht Dürer und Rembrandt verantwortlich.
Es sollte aber bis zum Ende des 18. Jahrunderts dauern, bis Aquarell als eigenständige Maltechnik anerkannt wurde. Dazu trug der britische Maler William Turner (1775 – 1851) maßgeblich bei.

Maltechniken

Die Lasieren ist die bekannteste Aquarelltechnik. Stark verdünnte Farbschichten werden so übereinander gemalt, dass dunklere und hellere Bereiche entstehen. Das Lavieren ist eine Nass – in Nass – Technik. Nicht verstanden? Kein Angst, ich zeige dir beide Techniken, anhand von Beispielen!
Der größte Unterschied zu allen anderem Maltechniken ist, dass es keine Farbe weiß gibt. Helle Flächen entstehen lediglich dadurch, dass die Flächen ausgespart werden.
Außerdem gelten Aquarellfarben als sehr rein, weil ihnen keine Streck- oder Füllmittel beigesetzt werden. Die Farbe liegt quasi „pur“ vor. Dadurch erhalten die Bilder oft eine tolle Leuchtkraft und vermitteln eine sonnige und positive Stimmung.

Materialien

Bevor ich mich ans Schreiben gesetzt habe, habe ich natürlich recherchiert, was das Netz so zu dem Thema Aquarell für Anfänger zu bieten hat. Das Ergebnis? Sehr viel!

Ich hatte nur ein großes Problem: die Investition. Damit meine ich das sogenannte „Starterpaket“ für Aquarellanfänger. Viele Blogger verweisen hier auf teure Materialien, die bei regelmäßigem Malen durchaus ihre Berechtigung haben, nicht aber, wenn du blutiger Anfänger bist.

Zum ersten Ausprobieren musst du noch nicht so tief in die Tasche greifen. Ich zeige dir, wie du gleich heute noch loslegen kannst!

Pinsel

 

Sicher hast du zuhause noch eine Reihe einfacher Pinsel liegen. Die reichen völlig aus. Sinnvoll ist eine kleine Auswahl an unterschiedlichen Pinselgrößen. Falls dem nicht so sein sollte, kannst du dir günstig ein Pinsel-Paket in einem Allzweckgeschäft kaufen, bevor du dir die richtigen Profi-Pinsel zulegst.

Mischpalette

Auch die kannst du günstig in einem Allzweckgeschäft kaufen. Zur Not würde aber auch ein Teller oder ähnliches funktionieren. Wichtig hierbei ist das Material. Der Teller sollte aus Glas oder Keramik sein, damit die Unterlage die Farbe, die gemischt werden soll, nicht aufsaugt.

Farbe

Ich benutze heute hier kleine Aquarell-Tuben, die ich mir mal in einem Discounter für 1,99 € gekauft habe. Die sind wirklich super und genügen absolut. Ich habe auch 3 weitere, viel teurere Aquarell-Paletten, aber zum Start reicht die günstige Variante völlig.

Für deinen ersten Versuch kannst du übrigens auch erst einmal ganz einfache Wasserfarben verwenden (z.B. Schulmalkasten). Wasserfarben sind Aquarellfarben sehr ähnlich, enthalten aber nicht so viele Farbpigmente und sind meist mit Füllstoffen angereichert. Zum Üben sind sie aber ausgezeichnet.

Papier

Bei der Aquarellmalerei ist das Papier das A und O. Da die Farben sehr wässrig sind, darf das Papier die Farben kaum aufsaugen, sonst wellt es sich sehr unschön und weicht einfach auf. Hier also bitte wirklich in Aquarellpapier (mind. 200 g / m² ) investieren.

   

Links habe ich ganz einfaches Druckerpapier verwendet und rechts hochwertiges Aquarellpapier (200 g/m²). Wie du siehst, gibt es deutliche Unterschiede. Ich habe für beide Papiere die exakt gleiche Farbmischung gewählt. Auf dem Aquarellpapier erscheint die Farbe aber deutliche kräftiger und leuchtender. Außerdem wellt sich das Papier auf der linken Seite sehr stark, sodass keine Farbverläufe möglich sind. Zum einen sammelt sich die Farbe in den Wellen und zum anderen würde das Papier nach kurzer Zeit einfach aufweichen.

Zusammenfassung Materialien

Pinsel verschiedene Größen
Mischpalette oder Teller
Aquarellfarbe oder Wasserfarbe
Papier (mind. 200 g / m²)
Glas mit Wasser

Dann kann es ja los gehen…!

Farbintensität

Das tolle an Aquarellfarbe ist, dass du komplette Kontrolle über die Farbintensität hast. Von zart – pastell bis kräftig – leuchtend ist einfach alles möglich. Abhängig ist es lediglich davon , wie viel Wasser du der Farbe beimischst.

Das Wissen, wie wir die Farben in unterschiedlicher Deckkraft einsetzen, ist sehr wichtig, um Gegenständen Plastizität zu verleihen. Ein Beispiel ist hier der Kreis. Das ist die Lasier -Technik. Mehrere Farbschichten werden über- bzw. nebeneinander gemalt, damit die typischen Hell – Dunkel – Abstufungen entstehen.

1. Male einen Kreis mit sehr verdünnter Farbe, sodass er schwach zu sehen ist. Kurz antrocknen lassen.

2. Dann Mische ein wenig mehr Farbe hinzu und zeichne den Kreis nur auf einer Seite nach in größerer Mond – Form. Wieder kurz antrocknen lassen.

3. Danach erhöhe die Farbintensität weiter und male eine kleinere Mond – Form.

4. Falls deine Übergänge noch stark zu sehen sind, befeuchte deinen Pinsel nur leicht und streiche über die Übergänge hinweg, sodass sie nicht mehr zu sehen sind.

Farbverläufe

Farbverläufe gehören in der Regel zur sogenannten Lavier – Technik. Hier malst du so, dass die Farben sich auf dem Blatt miteinander vermischen. Der Nachteil hierbei ist, dass du den Verlauf nicht so gut kontrollieren kannst.

1.Verlauf

Hier habe ich mich für einen schönen Pastellton entschieden und einen kräftigen Brombeer-Ton.

               

Die Farben verschmelzen richtig miteinander. Den Farbkombinationen sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt.

2. Verlauf

Ein weiterer sehr einfacher Verlauf ist dieser:

     

Zuerst malst du den Untergrund in einer Farbe deiner Wahl und auf diese nasse Farbe setzt du punktartig Kleckse in einer weiteren Farbe. Ich habe einen entspannten Ocker-Ton verwendet und kleine Brombeerfarbene Kleckse drauf plumpsen lassen.

3. Verlauf

Das ist kein Verlauf im eigentlichen Sinne und zählt auch nicht zur Laviertechnik – Und genau aus dem Grund möchte ich ihn euch ebenfalls noch vorstellen.

Im ersten Schritt trägst du deine Farbe auf das Papier auf, wie in den beiden vorigen Verläufen. Dann nimmst du einen Tupfer oder Küchenpapier und tupfst soviel Farbe ab, bis es dir gefällt.