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Acrylic Pouring für Anfänger

{Werbung | Kooperation mit idee. Creativemarkt & Liquitex}

Acrylic Pouring kann man ins Deutsche gut als Acryl gießen übersetzen. Das Spannende ist, dass die Farben nicht mit einem Pinsel auf die Leinwand gebracht werden, sondern im wahrsten Sinne gegossen werden. Durch die physikalischen Eigenschaften entstehen zum einen tollen Zellen und grandiose Farbverläufe, was die Maltechnik unvorhersehbar und aufregend macht.

Seit ca. 15 Jahren ist das Acrylic Pouring schon in den USA beliebt. Tatsächlich gibt es die Technik wohl schon seit den 1930er Jahren unter dem Namen „Fluid Paintings“. Verrückt!

In Deutschland ist der Trend vor ca. 3 Jahren auch hierüber geschwappt und immer mehr Künstlerfreunde probieren diese ganz besondere Maltechnik aus.

In diesem Blogartikel möchte ich dir einmal die absoluten Basics des Pouring vorstellen und was du dazu brauchst. Ich durfte im August diesen Jahres zusammen mit Liquitex Vorführungen bei idee. Creativmarkt in 5 deutschen Städten zum Thema Acrylic Pouring machen. Dabei habe ich selbst vor allem durch eure Fragen online und offline noch viel mehr gelernt. 

Du möchtest dir ein zusammenhängendes Video anschauen? Hier ist es: 

Material:

 

Pouring Medium

Es gibt große Qualitätsunterschiede was das Pouring Medium betrifft. Marktführer ist momentan Liquitex und besonders in Amerika am meisten verbreitet. Ein gutes Medium hat eine vorbildliche Fließeigenschaft und verhilft der Acrylfarbe zu mehr Flexibilität. Außerdem gibt es Mediums, die eher einen glänzenden Look nachdem trocknen haben (Liquitex) und einige eher einen matten. 

 

 

Acrylfarbe

Die Qualität der Acrylfarbe ist entscheidend für die Langlebigkeit, Lichtbeständigkeit und das Verhalten der Acrylfarbe mit dem Pouring Medium.

Hochwertige Acrylfarbe führt auch zu pigmentierteren und leuchtenderen Ergebnissen. Nichtsdestotrotz kann grundsätzlich jede Acrylfarbe zum Start benutzt werden.

Acrylic Ink

Außerdem gibt es noch Acrylic Inks. Fürs Pouring sind Acrylic Inks super, weil es sich hier um hochpigmentierte Farben handelt, von denen man grundsätzlich weniger zum Anmischen braucht. Allerdings entstehen in der Regel weniger Zellen, wenn man nur Inks benutzt. Ich setze oft auf die Mischung zwischen Acrylfarbe und Inks.

Möchtest du mit Metallic Farbe arbeiten, empfehle ich dir aber Acrylic Inks zu benutzen, weil die metallischen Pigmente hier viel intensiver sind, als Metallic Acrylfarbe.

Silikonöl

Silikonöl ist in der Pouring Welt ein umstrittenes Medium, da es die Acrylfarbe und Langlebigkeit der Farbe langfristig negativ beeinflussen kann. Grundsätzlich dient es dazu, dass mehr und größere Zellen in den Bildern entstehen. Tatsächlich entstehen bei hochwertigen Mediums auch wunderbare Zellen ohne Silikonölzugabe. Ich benutze es hier, weil nach meiner Erfahrung tendenziell doch noch mehr Zellen entstehen.

Meist gibt es das Öl in Spray oder Tropfenform. Die Spray-Variante sollte man nicht direkt einatmen und vorsichtig benutzen, damit die Farbe nicht wieder zurück aus dem Becher spritzt. Das macht den Umgang mit Tropfen leichter. Das Spray ist auf der anderen Seite meist günstiger und schneller im Baumarkt zu beschaffen.

Heißluftpistole oder Brenner

In ganz vielen Fällen führt das kurze „Abbrennen“ dazu, dass noch mehr große und kleine Zellen aufploppen. Die Heißluftpistole (auch mit Embossing Heißluftpistole möglich) oder der Creme Brulee Brenner sollte nur ganz kurz zum Einsatz kommen, ansonsten brennt die Farbe an oder eine Art „Puddinghaut“ entsteht.

Die Hitze eines herkömmlichen Haartrockners reicht für das Ploppen von Zellen leider nicht aus.

 

 

Leinwand präparieren

Hast du eine gut gespannte Leinwand und keine Lust auf Grundierung, kannst du diesen Schritt überspringen und direkt zum Set-up übergehen. Solltest du als Anfänger das erste Mal Pouring ausprobieren, ist ein gutes Zell-Ergebnis auch ohne Spannen und Grundieren möglich. Möchtest du deine Kunstwerke aber verschenken, große Leinwände pouren und lange behalten, empfehle ich dir deine Leinwand vorher zu präparieren.

Spannen

Woran merke ich das meine Leinwand nicht gut gespannt ist? Besonders bei größeren Leinwänden kann das Problem auftreten, dass der Stoff sich locker anfühlt und besonders in der Mitte der Leinwand ein wenig durchhängt. Für Acrylic Pouring ist das sehr problematisch, weil die Farbe sonst in eine Pfütze nach innen läuft und schöne Zellen zerstören kann.

Mein Tipp: Kurz die Rückwand mit ein bisschen Wasser besprühen (Pflanzensprüher) und schon ziehen sich die Fasern wieder zusammen und die Leinwand hat mehr Spannung.

Grundieren

Viele Leinwände sind schon vorgrundiert. Nichtsdestotrotz kann es zu sogenannten Löchern beim Pouring kommen und es sieht so aus, als würde die Farbe nicht gleichmäßig auf der Leinwand haften bleiben. Dafür empfehle ich, die Maluntergründe mit 1-2 Schichten Gesso nach Anleitung zu grundieren. Das bedeutet in der Regel Gesso mit einem großen Pinsel gleichmäßig auftragen und ca. 24h trocknen lassen. (Mind. über Nacht)

Das Setup

Acrylic Pouring gehört zu den Maltechniken, für die es etwas Vorbereitungszeit bedarf und im Nachhinein auch Aufräumzeit. Das bedeutet auch, dass man es nicht mal eben Zwischendurch machen kann. Damit sich der Aufbau lohnt, solltest du auch beim ersten Mal Ausprobieren 3-4 Leinwände parat haben.

 

 

So sieht mein Setup aus. Die Leinwand liegt auf 4 Bechern in der Auffangschale gut ausgerichtet, damit die überschüssige Farbe an den Seiten herunterlaufen kann. Die Ausrichtung ist wichtig, damit die Leinwand abgelegt werden kann, zum Erhitzen durch einen Brenner, aber die Farbe nicht zu einer Seite verschwinden kann. Alle Materialien sollten greifbar in der Nähe liegen. Außerdem sollte nicht unweit von dir entfernt ebenfalls Folie ausgebreitet sein, damit du deine fertigen Kunstwerke zum Trocknen ablegen kannst. Ganz wichtig ist hier auch wieder die Ebene. Der Untergrund sollte gut ausgerichtet sein, ansonsten verändern sich die Bilder noch sehr stark in der Trocknungsphase. Der ausgewählte Platz sollte auch staubfrei sein und geschützt vor zufälligen Berührungen, da die Bilder ca. 2 Tage zum Austrocknen brauchen.

 

Die Durchführung

1. Ist dein Arbeitsplatz gut vorbereitet können wir gleich anfangen, die Farbe anzumischen. Vergiss nicht, deine Handschuhe anzuziehen und alte Kleidung oder eine Schürze zu tragen. Starte mit 3-4 verschiedenen Farben und fülle zuerst die Acrylfarbe in deinen Becher.

Bei 3-4 Farben brauchst du auch 3-4 Becher, da die Farben erst einzeln mit Medium angemischt und dann in einen Becher gekippt werden.

Je nachdem wie groß deine Leinwand ist, solltest du deine Farbmischungen anpassen. Ist meine Leinwand ca. 15 x 15 cm groß, brauche ich ungefähr einen 3/4 Becher voll verschiedenen Farben. Es reicht also die Farben einzeln in kleineren Becher anzumischen, um nicht zu viel Überschuss zu haben.

In einem Mischverhältnis von ca. 1:1 fülle ich meine einzelnen Becher voll mit Farbe und Medium. (Das Verhältnis schwankt ein bisschen, da die Acrylfarben unterschiedliche Konsistenzen haben. 

Solltest du, wie ich mit Acrylic Inks arbeiten, kannst du die Farbmischung ca. 1:4 oder 1:5 ansetzen. (1 Teil Ink und 4 Teile Medium) Ist dir die Farbe nicht pigmentiert genug, füge einfach mehr Ink hinzu.

Mit dem Rührstäbchen vermische nun Farbe und Medium gut miteinander.

 

 

2. Teste die Konsistenz deiner Mischung. Idealerweise sollte die Farb-Pouring-Mischung wie warmer Honig vom Stäbchen fließen. Ist dies nicht der Fall kannst du ganz langsam wenige Tropfen destilliertes Wasser hinzugeben oder einfach noch ein bisschen mehr Pouring Medium, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

 

 

3. Gib nun 3-4 Tropfen oder 2-3 Spritzer Silikonöl zu deiner Farbe hinzu und rühre noch einmal um. Diesmal aber langsamer und bedachter.

4. Nimm einen unbenutzten Becher und schichte nun die verschiedenen Farben nach deinen Wünschen übereinander. Wenn du magst, kannst du den Becher auch vorher noch mit Silikonöl leicht aussprühen, dann gleitet die Farbe besser aus dem Becher heraus.

 

 

5. Jetzt kommt der entscheidende und aufregende Moment. Nimm deine Leinwand und platziere sie mit der Baumwollseite auf deinem Becher. Drücke beides gut aneinander und kippe den Becher samt Leinwand um. Warte ca. 5 Sekunden und hebe den Becher von der Leinwand ab.

6. Idealerweise kannst du hier schon sehen, dass sich einige Zellen bilden. Entweder kannst du hier schon den Brenner benutzen VOR dem Schwenken oder du schwenkst erst dein Bild, bis alle Ecken mit Farbe bedeckt sind und brennst dann erst kurz über die Farbe, um mehr Zellen zu erschaffen. Das Brennen sollte wirklich nur ganz kurz sein!

Vordem Brennen…

Nachdem Brennen…

 

7. Voila. Fertig ist ein Acrylic Pouring Bild. Lass dein Bild nun mindestens 2 Tage trocknen. Anschließend kannst du dein Bild noch versiegeln, um es „haltbarer“ zu machen. Dafür kannst du einfach Acryllack verwenden oder Resin (Gießharz).

 

 

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich hier nur EINEN Weg beschrieben habe, wie du dein Pouring Bild erschaffen kannst. Es gibt noch viele Abwandlungen und Techniken, um zu tollen Ergebnissen zu kommen.

Fragen, die oft gestellt werden:

Warum entstehen überhaupt Zellen?

Physik. Und zwar bestehen Farben aus Pigmenten und Bindemitteln. Pigmente der verschiedenen Farben haben ein unterschiedliches Gewicht. Es gibt leichte und schwere Pigmente. Mischt man die Farben zusammen, gibt es Pigmente, die nach unten sacken aufgrund ihres Gewichts und einige, die aufsteigen wollen. Diesen “Kampf der Pigmente” sehen wir dann als Zellen auf unseren Werken.

Nicht nur also die Marke der Acrylfarbe hat Auswirkung auf die Zellenbildung, sondern auch die Pigmente innerhalb einer Farbserie. Es kann passieren, dass ein Kadmium Gelb weniger Zellen verursacht, als ein Magenta. Hier heißt es mal wieder Ausprobieren.

Geht Acrylic Pouring auch nachhaltiger?

Statt Plastikbecher kannst du auch Pappbecher benutzen oder Einweggläser. Acrylfarben gehören in den Sondermüll und deswegen bitte die Einweggläser nicht über dem Waschbecken auswaschen, sondern auswischen und dementsprechend entsorgen.

Was passiert mit der überschüssigen Farbe, die sich in der Wanne sammelt?

Das bleibt ganz dir überlassen. Du kannst die Farbe auch auf eine Folie dünn auskippen und nachdem Trocknen erhältst du dann Acrylic Skin und kannst daraus coole DIYs machen. Du kannst auch einfach eine kleine Leinwand in die Farbe drücken und erhältst ein neues Pouring Bild. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wenn du es nicht entsorgen möchtest.

Du möchtest noch mehr zum Thema Acrylic Pouring lernen? Dann schau dir doch noch diese Bücher an:

   

 

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